Das Tal der Tränen durchwandern
Ich glaube, ich bin jetzt durch. In diesem Fall geht es nicht um eine Krise, eine Transformation oder Reorganisation oder die Digitalisierung – es geht schlicht um das Beweinen des Sommers. Abschied nehmen von wohlig warmen Temperaturen und lauen Sommerabenden, T-Shirt, Flipflops und Sommerwind im Haar. Jedes Jahr auf’s Gleiche spüre ich Schmerz. Abschiedsschmerz – zumindest seit ich ihn zulasse. Manchmal kommen Gedanken dazu, die fragen, wie viele Sommer ich wohl noch erleben darf und ob ich den vergangenen auch genossen habe. Ja, hab ich.
Alles will gelebt werden
Die Trauerkurve von Elisabeth Kübler-Ross, die irgendwann von einer Vielzahl von Berater:innen im Change Management aufgegriffen wurde, führt auf, wie wichtig es sei, die aufkommenden Emotionen in einer Veränderung oder Krise zu durchleben bzw. ihnen zumindest Aufmerksamkeit zu schenken.
Ich sag ganz gern frei nach Rilke:
Die Trauer, die Wut, die Enttäuschung, aber auch die Sehnsucht, die Freude – alles will gelebt werden.
Das Gefühl will raus. Der lateinische Ursprung des Wortes Emotion – emovere, herausbewegen – spricht für sich. Wenn wir ihr keinen Raum schenken, bahnt sich die Emotion ihren Weg – in Verhaltensweisen, Denkweisen oder in somatischen Reaktionen.
Nach Wochen der Trauer – und ich übertreibe wirklich nicht, ich bin immer tief im Abschiedsschmerz – bin ich gestern durch das Hamburger Herbstlaub gestapft und erfreue mich nun der frischen Luft und der Farben. Auch schön. Bis dahin versuche ich nun die Vorzüge des Herbstes zu genießen, mit der Gewissheit in mir, dass dann irgendwann im März die Sehnsucht aufkommen und die Vorfreude auf den nächsten Sommer sich breitmachen wird. Und was ist schöner als Vorfreude, oder?
Passend dazu treffen wir uns am 20.11. wieder im Foyer des Ernst Deutsch Theater zum vierten und letzten Resilienz-Café Hamburg in 2026. Fokusthema: Abschied nehmen. Möchtest du dabei sein?
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