Trauma erkennen: Definition, Typen und Symptome kurz erklärt
Der Begriff Trauma wird inzwischen häufig inflationär verwendet. In der Psychologie und Psychiatrie ist er jedoch klar definiert. Im Folgenden möchte ich mehr über Trauma aufklären und dafür werben, dass wir allein schon aus Respekt vor Betroffenen den Begriff präzise verwenden.
Begriff & Definition
„Trauma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Wunde“. In der Psychotraumatologie beschreibt es eine psychische Verletzung, die entsteht, wenn ein Mensch einer Situation mit tatsächlichem oder drohendem Tod, schwerer Verletzung oder sexueller Gewalt ausgesetzt ist und diese die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt (definiert u. a. in ICD-11 und DSM-5-TR).
Es wird dabei zwischen Typ-I- und Typ-II-Trauma unterschieden:
🔹 Typ I (Monotrauma): einmaliges Ereignis, z. B. Unfall oder Überfall → Risiko für eine klassische Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
🔹 Typ II (Komplextrauma): wiederholte/andauernde Gewalt oder Missbrauch → Risiko für komplexe PTBS
Weitere Differenzierungen: akute Belastungsreaktion, PTBS, komplexe PTBS, Entwicklungstrauma, transgenerationale Traumafolgen, sekundäre Traumatisierung (z.B. bei Helfenden).
Wie entsteht Trauma?
Traumata entstehen nicht allein durch das Ereignis, Trauma ist also kein einheitliches Phänomen, sondern ein Spektrum unterschiedlicher Belastungsfolgen. Nicht jedes belastende Ereignis führt bei jedem Menschen zu einer Traumafolgestörung, sondern durch das Zusammenspiel von Intensität, Dauer, Kontrollverlust, Alter, Schutzfaktoren und sozialer Unterstützung. Entscheidend dabei ist:
Das Nervensystem erlebt die Situation als überwältigend und existenziell bedrohlich.
An welchen Symptomen kann ich ein Trauma erkennen?
Mögliche Symptome können
- Intrusionen (Flashbacks, Albträume),
- Vermeidung bestimmter Orte, Personen oder Themen
- Übererregung/Hyperarousal (Schlafstörungen, Reizbarkeit),
- erhöhte Schreckhaftigkeit
- negative Veränderungen
- Schuld- und Schamgefühle,
- emotionale Taubheit sein,
- verändertes Selbstbild.
Bei komplexer Traumatisierung liegen zusätzlich häufig Beziehungs- und Affektregulationsprobleme sowie chronische innere Anspannung vor, wobei die Ausprägung und der Verlauf individuell unterschiedlich sind.
Warum sollten wir Trauma nicht inflationär verwenden?
Eine inflationäre Nutzung des Trauma-Begriffs als Modevokabel führt zu:
▪️ Begrifflicher Verwässerung, die klinische Bedeutung geht verloren.
▪️ Unsichtbarmachung schwerer Traumafolgen: Betroffene ernsthafter Traumatisierung verlieren sprachliche Differenzierung.
▪️ Pathologisierung normaler Belastungen, nicht jede Krise ist ein Trauma.
▪️ Verzerrten Selbstdiagnosen: echte Diagnostik gehört in fachliche Hände.
Belastung und Stress sind ernst zu nehmen, nicht jede Krise ist ein Trauma im klinischen Sinne. Ein differenzierter Sprachgebrauch schützt die fachliche Präzision, würdigt Betroffene und stärkt eine verantwortungsvolle Diskussion über psychische Gesundheit.
Solltest du unter den Folgen eines traumatischen Lebensereignisses leiden, kontaktiere die 116117 oder andere Hilfestellen. Möchtest du allgemein Dein Stress- und Belastungslevel reduzieren oder hast Fragen zu mentalen Gesundheitsthemen, schreib mir eine Nachricht.
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