Hypnosystemisch
Hypnosystemisch bezeichnet einen Ansatz, der hypnotherapeutische Methoden (Arbeit mit Aufmerksamkeitsfokussierung und Trance) mit systemischem Denken (Fokus auf Kontexte und Beziehungsdynamiken) verbindet, um aus Problem‑ in Lösungszustände zu wechseln. Probleme werden dabei als „Problemtrancen“ verstanden: Die Wahrnehmung verengt sich autohypnotisch auf Belastendes, sodass Ressourcen und Wahlmöglichkeiten aus dem Blick geraten. Hypnosystemisches Arbeiten in Beratung, Coaching, Therapie zielt darauf, eine „Lösungstrance“ zu fördern, in der eigene Kompetenzen wieder erlebbar und nutzbar werden.
Entwickelt wurde der Begriff „hypnosystemisch“ von dem Arzt und Psychotherapeuten Gunther Schmidt, der seit den 1980er Jahren Hypnotherapie nach Milton Erickson mit systemischer Therapie verbindet.
Ein Beispiel
Eine Klientin im Burnout-Erleben beschreibt sich innerlich als dauerhaft erschöpft, fremdgesteuert und ohne Einflussmöglichkeiten – eine typische Problemtrance. In einer hypnosystemischen Sitzung würde zunächst diese innere Logik gewürdigt und dann mithilfe von Imagination, Körperfokussierung und Perspektivwechseln erfahrbar gemacht, wie sie im gleichen Kontext auch Zugang zu Kraft, Grenzen und Klarheit hat. So entsteht ein neuer innerer Zustand, aus dem heraus andere Entscheidungen und Interaktionen möglich werden. Gunther Schmidt beschreibt Therapeut:innen in diesem Sinne gern als „Realitätenkellner:innen“, die unterschiedliche Wahrnehmungs‑ und Bedeutungsangebote servieren, aus denen Klient:innen selbstbestimmt wählen können.
Hörtipp
Zum hypnosystemischen Denken und Arbeiten gibt es eine großartige Podcast-Folge im Hotel Matze aus dem Februar 2026 mit Gunther Schmidt: Psychotherapeut Dr. Gunther Schmidt – Warum ist Burnout eine Kompetenz?
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