Werte- und Entwicklungsquadrat
Das Werte- und Entwicklungsquadrat ist ein Modell aus der Kommunikationspsychologie von Friedemann Schulz von Thun. Es zeigt, dass jede menschliche Stärke eine Schattenseite entwickeln kann, wenn sie übertrieben oder einseitig gelebt wird. Ebenso braucht jede Stärke eine „Schwestertugend“, die sie im Gleichgewicht hält.
Das Modell besteht aus vier Feldern:
- Positiver Wert / Tugend
- Übertreibung dieses Wertes (Schattenseite)
- Gegenwert („Schwestertugend“)
- Übertreibung des Gegenwerts
Entwicklung entsteht dort, so Schulz von Thun, wo Menschen lernen, die passende Balance zwischen zwei positiven Werten herzustellen, statt in Extreme zu rutschen.
Beispiel 1: Anpassungsvermögen
Positiver Wert:
Anpassungsvermögen – flexibel bleiben, sich auf neue Situationen einstellen, mit anderen gut kooperieren.
Übertreibung / Schattenseite:
Selbstaufgabe – sich zu sehr anpassen, eigene Bedürfnisse übergehen, Konflikte vermeiden.
Positiver Gegenwert (Schwestertugend):
Selbstbehauptung – eine eigene Position vertreten, Grenzen setzen, Anliegen äußern.
Übertreibung des Gegenwerts:
Starrheit / Egozentrik / Sturheit – nur die eigene Sicht gelten lassen, unkooperativ sein.
Entwicklungsansatz:
Die gesunde Mitte finden: anpassungsfähig UND selbstbehauptet.
Beispiel 2: Zuversicht im Wandel
Positiver Wert:
Zuversicht – Vertrauen in den Prozess, Hoffnung und Orientierung geben.
Übertreibung / Schattenseite:
Naiver Optimismus – Risiken ausblenden, warnende Hinweise ignorieren, Probleme bagatellisieren.
Positiver Gegenwert:
Realismus – Herausforderungen klar benennen, Risiken einschätzen, Bodenhaftung behalten.
Übertreibung des Gegenwerts:
Pessimismus / Schwarzmalerei – Chancen übersehen, Veränderungen blockieren, Angst verbreiten.
Entwicklungsansatz:
Eine Balance zwischen Zuversicht UND Realismus kultivieren – gemeinsam orientiert und zugleich wachsam durch den Wandel gehen.
Impulse zur Selbstreflexion
Nutze die Fragen persönlich oder im Teamworkshop.
Wo positioniere ich mich aktuell in diesem Quadrat?
- Lebe ich den Wert häufig in einer gesunden Form?
- Oder neige ich zu einer seiner Übertreibungen?
Was fällt mir leichter?
- Bin ich eher anpassungsfähig oder eher selbstbehauptet?
- Eher zuversichtlich oder eher realistisch?
Welches Verhalten wäre ein sinnvoller Entwicklungsschritt?
- Mehr Grenzen setzen?
- Mehr Offenheit für Neues?
- Mehr Mut zum Ausprobieren?
- Mehr realistische Einschätzung?
Welche Situationen bringen mich besonders schnell in Extreme?
- Stress?
- Zeitdruck?
- Erwartungen anderer?
- Konflikte?
Wer oder was unterstützt mich dabei, in Balance zu kommen?
- Kolleg:innen?
- Coaching?
- Feedback?
- Achtsamkeit?
Du möchtest Dich mehr mit Deinen Werten und Eigenschaften auseinander setzen? Nutze zur Selbstreflexion mein Karten-Set, welches im Junfermann Verlag erhältlich ist: Werte-Karten-Box mit 65 Werten und 15 Fragen
